Neue Ideen für andere Zeit. Brauchen wir neue Ideen? Also generell. Oder könnten wir Ideen, die es schon gab, vielleicht einfach mal konsquent durchspielen? Was ist das Neue? Beziehungsweise das “Andere” im Heute. Gibt es etwas inhärent und ontologisch Neues? Also KI ist es sicher nicht. Virtual Reality auch nicht. Die Idee hatte schon Platon.
Was sind diese neuen Ideen? Künstlerische Ideen? Und was sind die anderen Zeiten? Krieg, Ungleichheit und Ausbeutung? Das ist nicht neu, das ist nur besser dokumentiert…
In grossen Neon-Lettern prangert aber nun in der Frühlingssonne der Slogan “New Ideas for Different Times” im Fenster von der Von Bartha Galerie am Kannenfeldplatz. Die Leuchtobjekte sind eine Arbeit von Maurizio Nannucci aus dem Jahr 2005 und sie sind auch der Titel der Gruppenausstellung in der Galerie. Die Ausstellung selbst stellt dann aber wundervoll unter Beweis, dass wir gar nicht viel neue Ideen brauchen. Relativ alte Ideen, wie die Videoinstallation “Fractal Flasher” von Nam June Paik, die immerhin schon 30 Jahre alt ist, wirken wie völlig adequate Kommentare zu zeitgenössischen Momenten. Ähnlich aktuell wirken die Arbeiten von Joachim Bandau, die teilweise bis zu 65 Jahre alt sind, also quasi dieses Jahr in Rente gehen dürften. Aber deren nicht greifbare und zutiefst unheimliche Körperlichkeit spricht vielleicht heute mehr zu uns als es zu Zeitgenossen des Künstlers sprach.
Die Ideen sind alle da. Die Zeiten sind nicht wirklich anders. Vielleicht müssen wir einfach bessere Ideen für bessere Zeiten auswählen aus dem Sortiment an Ideen, die sind über die Jahrhunderte so zusammengesammelt haben. Vielleicht ist das eigentliche Problem, dass die Ideen heute an Konferenztischen marketinggerecht zusammengeschustert werden. Dort werden sie hübsch verpackt und corporate-identity-freundlich umgemünzt und als bahnbrechnede Neuerung verkauft.
Aber dieser Handhabe von alten Ideen in neuen Gewändern ist man sich bei Von Bartha wohl auch bewusst. In einem ihrer Besprechungsräume hängt über dem Konferenztisch eine weitere Leuchtarbeit. “We are Having the Time of Our Lives” proklamiert diese LED Arbeit von SUPERFLEX. Wie herrlich zynisch sich die Leuchtkraft der Buchstaben in die Retina brennt, während man über Vorjahres- und Quartalsberichte gebeugt nach neuen Ideen sucht, die einem in anderen Zeiten noch etwas unter die schwerbeladenen Arme greifen.
