Q.U.I.C.H.E. ist ein queeres Schreibkollektiv aus Basel

Davon, jeden Moment eine neue Richtung einschlagen zu können

In Krisenzeiten spielen Hoffnung und Zuversicht eine zentrale Rolle. So überrascht es auch nicht, dass diese Themen momentan in verschiedenen Formaten diskutiert werden – zwei Beispiele sind der Sternstunde Philosophie Beitrag mit der IKRK-Präsidentin Mirjana Spoljaric Egger oder“Das Buch der Hoffnung” von Natur- und Verhaltensforscherin Jane Goodall. Als ich im Orell Füssli in Basel eben dieses Buch von Jane Goodalls besorge, sehe ich auch Dan Shambiccos Poster, das seine neu erschienene Anthologie “Hotel Poetry” bewirbt. Nach einer kurzen Recherche zu ihm und seinem Werk – mittlerweile sind es fünf eigene Ausgaben und mehrere Bücher, die er herausgegeben hat – merke ich, dass auch die Themen Hoffnung und Zuversicht in seinem Schaffen einen grossen Stellenwert haben. 

Wer ist Dan Shambicco und was treibt ihn an, neben seiner Vollzeittätigkeit im Bildungs- und Erziehungswesen Bücher zu schreiben und herauszugeben? 

“Mich interessieren die grossen Lebensthemen wie beispielsweise die Liebe, Gesundheit, Hoffnung, Beziehung zu sich selbst und anderen. Dort, wo echte Begegnungen stattfinden, dort spielt das Leben und darüber möchte ich schreiben. Zusätzlich möchte ich andere, vorwiegend auch junge Menschen, ermutigen, aus der eigenen Komfortzone zu gehen, neue Perspektiven zuzulassen und offen und wohlwollend sich selbst und anderen zu begegnen.“

Wie kam es dazu, dass das Schreiben zu einem der wichtigsten Bestandteile deines Lebens wurde? 

“In der Schulzeit habe ich begonnen, in meinem Notizbüchlein Gedichte zu schreiben – einfach nur für mich. Damals schon hatte ich schon das Urvertrauen in mir, damit weiterzumachen, weil es mir so grosse Freude bereitete und immer noch bereitet. So ergab sich mehr oder weniger mit der Zeit, dass ich wichtige Kontakte in der Branche knüpfen und schliesslich selber publizieren konnte. Und weil Lyrik lange schon mein steter Begleiter ist, wollte ich anregende Gedichte und kurze Prosatexte veröffentlichen, um zu zeigen, dass Lyrik Spass machen kann.” 

Demnach ist dein Schaffen eng mit deiner Arbeit in der Wissensvermittlung verknüpft?

“Ja, definitiv. Ich möchte jungen Menschen zeigen, dass man vieles erreichen kann, wenn man daran glaubt. Dazu braucht es natürlich auch Menschen um sich herum, die dir die Chance geben und dich unterstützen. Grundsätzlich möchte ich aber junge Menschen dazu ermutigen, offen zu bleiben und einfach mal zu machen.”

Im Eingangstext von “Hotel Poetry” sagst du, dass die Anthologie ein Herzensprojekt ist. Wieso?

“Das Ziel ist es, Lyrik zugänglicher zu machen. Wenn es nämlich in einer Sprache daher kommt, zu der viele Menschen einen Zugang haben, dann macht das sehr viel Spielräume auf. Das schönste Geschenk ist es, die Verbindung zum Publikum zu schaffen und beispielsweise nach einer Lesung zu sehen, wie das gerade Besprochene rezipiert wird und dadurch neue Empfindungswelten aufgemacht werden. In “Hotel Poetry” ist beispielsweise jeder Text auch ein Fenster in eine neue Lebens- und Empfindungswelt. Das sind wohl meine grössten Motivationsfaktoren: Verbindung schaffen und zu neuen Perspektiven anregen, um so auch etwas zurückzugeben.”

Du wirkst sehr ausgeglichen und hast oftmals erwähnt, wie dankbar du für das Leben bist, das du führst. Was bestärkt dich, auch in Krisenzeiten diese Haltung einzunehmen? 

“Hoffnungsvoll und zuversichtlich dem Leben zu begegnen, ist eine Praxis. Natürlich sind unmittelbare Krisen enorm schwer durch zu machen. Jedoch hat meine Erfahrung gezeigt, dass Zeit fast alles heilt. Die zeitliche Dimension erlaubt es nicht nur Abstand zu gewinnen sondern eben auch aus dem Gelernten neue und hoffentlich für sich bessere Entscheidungen zu treffen.”

Die Krise also auch als Chance zu sehen?

“Vielleicht ja. Die Krise ist aber auf jeden Fall einfach ein Wendepunkt. Das heisst, man kann entscheiden, in welche Richtung man geht, was für mich jetzt wichtig ist und wo ich loslassen muss. Denn schlussendlich ist alles freiwillig.”

Wie meinst du das?

“Es gibt selten Dinge im Leben, die purer Zwang sind. In den allermeisten Fällen befinden wir uns in diesem grossen Graubereich, in dem wir viel mehr Spielraum haben, als wir meist glauben. Darum ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass man in jedem Moment wieder eine neue Richtung einschlagen kann. Das ist sehr hoffnungsvoll, denn ich kann mein Leben und meine Zukunft positiv mit beeinflussen.”

Das ist tatsächlich hoffnungsvoll. Vielen Dank, Dan, für das anregende und bereichernde Gespräch! 

Möchtest du eine Lesung von Dan Shambicco besuchen? Dann schaue dir die Lesetermin hier an.