Man hört kaum noch etwas von Poltergeistern. Vermutlich, weil die verwackelten, schäbigen Fotobeweise des 20. Jahrhunderts in Zeiten der hochauflösenden Smartphones nicht mehr überzeugend wirken. Das Spannende ist allerdings, dass eine der “wissenschaftlichen” Erklärungen für Poltergeister in 90er-Jahren-Infotainment-Berichten war, dass diese Phänomene durch elektrische Ladung in Mauerwerken entstehen könnten. Elektrosmog sowie jedwede Art von Strahlungen und Wellen in der Luft sind seitdem zwar exponentiell gestiegen, aber die Poltergeister sind verschollen. Vielleicht canceln sich die verschiedenen Spannungen und Schwingungen der WLANs und 5G-Strahlung gegenseitig aus und den Poltergeistern ist es einfach ein wenig zu hektisch im penetrant pulsierenden Elektrowolkendunst, der sich über all unsere Wohnorte gelegt hat. Vielleicht ist aber dennoch etwas abstrus Magisches zurückgebliebenen in den durch Elektrizität bespukten Mauerwerken.
Das nomadische Archiv Mischabbruch war zu Gast im Kasko. Laut dem Bundesamt für Umwelt ist Mischabbruch “ein Gemisch von ausschliesslich mineralischen Bauabfällen von Massivbauteilen wie Beton, Backstein-, Kalksandstein- und Natursteinmauerwerk.” In seiner künstlerischen Dimension bringt Mischabbruch aber mit dem Einsetzen von USB-Speichern in Abbruchsüberresten eben solche architektonische Minerallast zum Leben. Als sei die elektronische Spannung der abgerissenen Häuser durch ein vom Kollektiv gesetztes Portal zugänglich geworden, können die Materialblöcke, die im Ausstellungsraum verteilt und verkabelt sind, nun klingen oder Bilder erzeugen. Es ist als dürfe das Architekturgeröll sich nun in die Welt entladen und all seine Geheimnisse und Erinnerung aus vorigen Tagen in Outlets eintröpfeln, die dann dem Publikum durch künstlerisch platzierte Schnittstellen Dinge sichtbar machen. Die Kunst als elektrische Halluzination des Mauerwerks.
Die Künstler*in als Vermittler*in zwischen anderen Welten und unserer schnöden Realität ist etwas, das mit heftigen Kandinsky-Vibes daherkommt. Deshalb sollte ich vielleicht vorsichtig sein, die Medienkunstergüsse im Kasko als seance-artig kanalisierte Geisterbeschwörung der Schwingungen in mineralischen Bauabfällen zu klassifizieren. Höhere Wesen im Beton befahlen eben am Ende doch nicht, die recht obere Ecke schwarz zu malen. Auch will ich die Kunst gar nicht für soetwas instrumentalisieren. Sie soll für sich selbst sprechen und am Ende auch in und von jedwedem Gefäss sich selbst genug sein. Aber unabhängig von der Kunst und all ihrem bunten Treiben, fehlen mir einfach immer wieder mal die Poltergeister.
