Das Wort «sexy» hat eine musikalische Qualität. Vielleicht, weil man es so selten hört und wenn dann nur gesungen. Welches Lied kommt Ihnen zuerst in den Sinn beim Wort «sexy»? Sind es die «sexy eyes»? Oder Rod Stewards Frage, ob man denn denke, dass er «sexy» sei? Ist es am Ende gar Marius Müller Westernhagens gegröltes «sexy», das zu allem Übel einfach die Anrede für eine Frau ist, die eine Waffe ist, für die es keinen Waffenschein gibt?
Bei mir im Kopf erklingt sofort Beyoncés «I’m feeeeeeeling seeeeeeexxxxxyyyyy… I wanna hear you call my name» aus «Naughty Girl». Ein Lied, das mit jeder Stunde, die der Abend voranschreitet, lasziver gesungen werden kann.
Nun ist das Naturhistorische Museum Basel sehr sexy für seine aktuelle Ausstellung. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Die Ausstellungsdisplays sind hervorragend und hochwertig, die Präparate finden die richtige Balance zwischen unheimlich und putzig. Es geht vor allem wirklich um Sex und um die Tatsache, dass doch beinahe alles, was sich nicht zweiteilen kann, welchen hat. Die Ausstellung ist dabei informativ und kurzweilig und man lernt viele neue Dinge, auch wenn man glaubt, sich bei Sex recht gut auszukennen. Mir war beispielsweise nicht bewusst, dass schwule Delfine wirklich das Blasloch ihres Partners penetrieren. Aber durch ein kleines Guckloch im Ausstellungsdisplay – hoch genug, dass die Kinder nicht rankommen – versteckt sich in der sexy Ausstellung sogar ein Bild von eben diesem Akt. Man lernt nie aus.
Da ich schon mit Musik angefangen habe, möchte ich noch einen weiteren musikalischen Verweis machen. Über dem Eingang im zweiten Stock des Museums – also kurz hinter der Giraffe im Treppenhaus – hängen silberne Ballons, die den Schriftzug «sexy» ergeben. Dahinter im langen Saal sieht man von aussen nichts als das knochige Gerippe eines riesigen Meeresbewohners (dessen Art und Gattung mir vor lauter Sexyness entfallen sind). Ein Wesen, das sich für die richtige Sexyness bis auf die Knochen entblösst kennt man musikalisch ja bereits schon. In «Rock DJ» aus dem Jahr 2000 versuchte ein strippender Robbie Williams eine Meute rollerskatender Damen zu beeindrucken. Die liessen sich aber weder von seiner behaarten Brust noch von seinem Tigerkopfslip beeindrucken. Erst als Robbie sich das Fleisch vom Gerippe riss, erhielt er die gewünschte Aufmerksamkeit (art imitates life). Und so sind wir am Ende vielleicht doch alle super sexy Gerippe, die mit ein wenig Fleischverpackung durch die Gegend laufen und nach einem verlockenden Blasloch suchen.
