Q.U.I.C.H.E. ist ein queeres Schreibkollektiv aus Basel

«Up #7» von Sabina Lang und Daniel Baumann: Roche

Die zwar nur etwa 100 Meter lange, dafür aber immerhin nahezu 200 Meter tiefe, einzige Hochhausschlucht in Basel wird neuerdings weiss durchstochen. In dieser urbanen Leerstelle sticht eine nach oben ins Unsichere verdrehte Geste.

Noch lässt sich keine Beschriebplakette finden, aber zwischen Bau 1 und Bau 2 der Roche steht unweit der beiden Felsblöcke von Fischli/Weiss, deren Gleichgewicht nicht so schön ist, da es offensichtlich nicht gleich auseinanderbricht, eine neue Skulptur. Sabina Lang und Daniel Baumann haben eine Stahlrohrstange installieren lassen, die mit einer gewissen verbogenen Vorsicht den Leerraum zwischen den beiden segelförmigen Bauten penetriert. Viele Journalist*innen der Region verweisen nicht zu Unrecht auf die ähnlich hoch aufragende Skulptur von Bernhard Luginbühl, die auf Höhe des Solitudeparks mit einem rostigen Rot den Himmel vor dem Hauptkomplex der Roche durchsticht.

Die Arbeit hat etwas Kühles, aber zugleich auch etwas übermässig Harmloses. Ein neues Kapitel in dem ewigen Dilemma von öffentlichen Skulpturen. Wirklich begeistern mag Corporate-KunstamBau vielleicht nie. Aber dafür begeistert mich persönlich die Poesie des Formulars “Baubewilligungen auf öffentlichem Grund (Allmend)” vom Tiefbauamts des Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel Stadt, das die Roche für die Installation der Arbeit einreichen musste und das öffentlich einsehbar ist. Dort wird nämlich explizit die NUTZUNG des baulichen Eingriffs im Stadtbild abgefragt. Der Nutzen der Kunst. Da wird es schnell philosophisch im Tiefbauamt. Das Amt bietet direkt eine Reihe von Auswahlmöglichkeiten:

FTTH (Fibre to the home)

Strassenbau

Leitungsbau

Lichtschächte

Pflanzenlöcher

kantonal verfasstes Projekt

andere Bezeichnung

Man lese dies im Stile eines dadaistischen Gedichtes von Johannes Theodor Baargeld. Tiefbau-Poesie.

Und wie nicht anders zu erwarten. Die Kunst muss mal wieder (wie in gefühlt jedem Formular, das einem die öffentliche Hand anreicht) in der Rubrik “andere” geparkt werden. Kein Wunder, dass sie dann so verrenkt daher kommt.