Das Interview wurde im Herbst 2024 geführt. Beim Website-Launch-Event am 3. Februar 2026 durften QUICHE und alle Gäst:innen schliesslich Roylesques mitreissende Performance-Kunst live erleben.
Roy aka Roylesque ist selbsternannter crip-queerer Performer, der gerne Gesang, Bewegung und Geschichtenerzählen mit einer Prise Cabaret-Ästhetik kombiniert. Wir haben mit ihm über Drag, crip-queerer Performance und Selbsterforschung gesprochen.
Wie bist du dazu gekommen, Drag zu machen?
Als ich 14 Jahre alt war, habe ich mich spontan dazu entschieden, die Geburtstagsparty einer Freundin verkleidet als ihre “verschollene Cousine” zu besuchen. Ich dachte, dass da nur Mädchen hinkommen würden, doch dann sah ich, dass sehr viele Jungs aus meiner Schule da waren. Die Jungs erkannten nicht, dass das ‘neue Mädchen’ ich war und fingen an, mit mir zu flirten. Das waren die gleichen Jungs, die mich damals mobbten. Naja, das hätte viele Wendungen nehmen können, aber für mich war das das Ende meines Mobbings. Und ich spürte zum ersten Mal die Macht von Drag.
Was kann Drag, was andere Performance Arten nicht können?
Was ich heute auf der Bühne mache, ist je nach Definition kein Drag, denn ich setze auf eine Gender-Fuckery-Ästhetik, die Elemente von Männlichkeit und Weiblichkeit kombiniert, die auf sehr unterschiedliche Weise gelesen werden kann. Es ist also kein Drag, wie man es aus Shows wie RuPaul’s Drag Race kennt und die eine weibliche Illusion zum Ziel haben.
Auch wenn es viele unausgesprochene Regeln für Drag und es eine grosse Tradition aus der Ballroom Szene gibt, ist es auch eine sehr freie Kunstform. In Schulen kann man lernen, Schauspieler*in, Tänzer*in, Schriftsteller*in, Maler*in, Fotograf*in, Filmemacher*in usw. zu werden, aber für Drag gibt es keine formale Ausbildung. Es ist nach wie vor eine Underground-Kunstform, die dir von Anfang an eine enorme Freiheit gibt. Sie ermutigt dich, dich selbst zu erforschen und mehr über dich, deine Identität und deren Ausdruck zu erfahren – auf und abseits der Bühne.
Und wo genau ist deine Nische im Ganzen?
In den letzten Jahren habe ich dank des crip-queeren Projekts criptonite viel über meine chronische Krankheit und meine Vorstellungen von Behinderung gelernt. Deshalb bezeichne ich mich heute als “crip queer performer” und feiere damit eine Facette von mir, die ich früher mit Scham verbunden habe und zu verbergen versuchte. The struggle is still real, aber meine Behinderung auf der Bühne mit anderen wunderbaren und talentierten behinderten Künstler*innen zu erforschen, hat mir geholfen, mich selbst auf die schönste Weise zu akzeptieren.
Worauf darf man sich in deinen Shows freuen?
Ich führe u.a. den Musical-Song “All That Jazz” auf, den ich bei meinem ersten Soloauftritt überhaupt performt habe. Ich werde diese Nummer neu erforschen und versuchen, das einzubauen, was ich im Laufe der Jahre gelernt habe. Wie immer wird es frech, sexy und lustig.
